HEIMAT Maliks Mutter ist Deutsche, bei ihr ist er aufgewachsen. Sie hat sein Talent früh erkannt und ihn in seiner Sportlerkarriere immer unterstützt. Bei Wind und Wetter fuhr sie ihn zu den Spielen und hat ihn auf allen wichtigen Wegen begleitet.

Einen Tag pro Woche verbrachte er mit seinem Bruder und seinen Kumpels bei seinem Vater, der aus der Türkei stammt. Dort wurde virtuell trainiert: Das wöchentliche Ritual war, Mario Kart zu spielen und gemeinsam zu essen. Es gibt vermutlich keine Familie auf der Welt, die seine in diesem Spiel schlagen könnte.

Berlin ist seine Heimat, seine Familie und hier sind seine Freunde. Und in Berlin lernte Malik seine Frau Annie kennen, die ihn seit fünf Jahren unterstützt.

JUGEND Malik ist immer ein Kämpfer gewesen. Schon früh war klar, dass Fußball sein Ding ist und er hat seinen Weg an die Spitze gemacht. Von klein auf war er mit Freunden auf dem Sportplatz unterwegs, mit neun Jahren begann er seine Laufbahn in der Jugendmannschaft bei Hertha 03 Zehlendorf. Dort kam er nach dem ersten Probetraining statt in die E6 gleich in die E2, wo es natürlich Ehrensache war, so oft wie möglich gegen die E1 zu gewinnen. Wichtiger noch als die Punktspiele.

Begonnen hat Malik als Stürmer. Schwierigkeiten haben ihn schon immer gereizt: Er hat es geliebt, bei Regen zu spielen. Tut er heute noch. Schon in der D-Jugend wurde er als bester Spieler eines Turniers augezeichnet. Inoffiziell, vom Schiedsrichter. Preisgeld: 10 Mark.

Bei Zehlendorf blieb er bis zur B-Jugend, dann holte ihn Tennis Borussia für ein Jahr in die A-Jugend. Auf dem Platz war er immer einer der schnellsten, und obwohl er bis dahin als eher klein gegolten hatte, landete er bei Tennis Borussia gleich in der U-17.

Und dann war da noch Rugby: Malik wurde mit elf Jahren Deutscher Meister bei BRC.

PROFI Als das Angebot von Hertha BSC kam, war Malik Fathi 17 – das war der Startschuss. Im zweiten Jahr bei den Amateuren zeigte er eine so gute Performance, dass er einen Profi-Vertrag angeboten bekam. Und das kurz vor der Abiturprüfung.

Profi zu werden, war immer ein Traum gewesen, aber erst in dem Moment wurde klar, dass die Möglichkeit real war. Bis dahin hatte er nur aus Leidenschaft Fußball gespielt, ohne an eine Karriere auf dem Platz zu denken. Gleich nach dem Abitur nahm er das Angebot an. Von heute auf morgen war er mittendrin in der Welt des Profifußballs und hat die Stars hautnah miterlebt. 18 Mal war er allein für das deutsche U-21 Nationalteam auf dem Platz.

Sein absoluter Höhepunkt bei Hertha war 2006 die Berufung zur A-Nationalmannschaft, in der er unter Jogi Löw zwei Freundschaftsspiele absolvierte. Was man eben so eine geile Zeit nennt. Die Phase bei Hertha in seiner Heimatstadt hat ihn tief geprägt und 123 Bundesligaspiele für die Hertha haben ihn zu dem Profi gemacht, der er heute ist.

RUSSLAND Berlin ist groß, aber Moskau ist noch mal ne ganz andere Nummer. Im März 2008 ging es nach Russland zu Spartak Moskau. Die Stadt war anfangs eine echte Herausforderung. Der Verkehr, die schiere Größe, die Einwohnerzahl … einmal dauerte die Fahrt zum Training 3 Stunden. Doch Moskau hat auch einen speziellen Charme, besonders im Winter – und die Sprache zu meistern war eine reizvolle Aufgabe.

Spartak Moskau genießt in Russland ein hohes Ansehen und es war ein ganz neuer Umgang mit Fußball für einen Berliner Jungen, alles eine Nummer größer, intensiver. 6 Tore in 37 Spielen waren die Bilanz. Dann kam Mainz – ein echter Kontrast zum großen, weiten Moskau. 50 Bundesligaeinsätze hatte er dort.

TÜRKEI Immer offen für Neues, zögerte Malik nicht lange, als die ersten Angebote aus der Türkei kamen. Die Herkunft seines Vaters und die Tatsache, dass er seine Vatersprache nie gesprochen hatte, gaben den Ausschlag. Es kam früher als erwartet, aber er hatte Lust darauf.

Im Sommer 2012 lieh der FSV Mainz ihn an Kayserispor aus. Die Zeit seiner Ausleihe nutzte er sehr bewusst, sich mit Kultur, Sprache und dem Leben in dem Land seines Vaters auseinanderzusetzen.

FREIZEIT Snowboarden, Wakeboarden und Tennis sind eine willkommene Abwechslung zum Training. Sich rundum fit zu halten, ist Malik wichtig. Er liest gern und viel – das Spektrum reicht von spirituell bis Thriller bis zum Thema mentale Weiterentwicklung.

Den Horizont erweitern, seine Potentiale verwirklichen, das interessiert ihn. Seit Jahren schon. In dieser Hinsicht lässt er sich regelmäßig von Sharon Paschke coachen. Zum Thema Lebens- und Karrieeregestaltung schwört er auf die Bücher von Anthony Robbins.

Und natürlich: Mit Freunden treffen, ein Kinobesuch oder ein gemeinsamer Spiele-Abend – Malik ist dabei.

ENGAGIERT Als Malik 2008 den irren Verkehr in Moskau sah war ihm klar, dass er sich von seinem geliebten schwarzen Ford Mustang verabschieden würde um ihn für einen guten Zweck zu versteigern. Er ging für 27.000 € auf ebay weg, der Erlös kam der Sportstiftung der Lebenshilfe Berlin bei der Förderung behinderter Sportler zugute.

Malik Fathi engagiert sich unter anderem auch für die Kindernothilfe (Patenschaften) und ist Schirmherr des Tannenhofs, der sich für die Arbeit mit suchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen einsetzt.